„Eine Kirche, die nur noch Gebrauchsmusik macht, verfällt dem Unbrauchbaren und wird selbst unbrauchbar."
- Joseph Kardinal Ratzinger in Theologisches zur Kirchenmusik
Vor einiger Zeit bin ich zufällig über das obige Zitat von Joseph Ratzinger gestolpert. Ich habe es dem Wikipedia-Artikel zum Thema Kirchenmusik entnommen. Seitdem merke ich, dass mich das Zitat immer wieder beschäftigt und zum Nachdenken bringt.
Ich weiß natürlich nicht, wie Ratzinger dieses Zitat original gemeint hat, aber meine erste Assoziation war natürlich das Spannungsfeld, das sich in der modernen Lobpreismusik oft auftut: Sollen die Lieder lediglich als Mittel zum Zweck, also zur Unterstützung der Anbetung dienen, sollten die Vollblutmusiker sich also eher zurücknehmen - oder kann Musik auch aus sich selbst heraus Anbetung sein (zum Beispiel aufgrund ihrer Qualität).
Im Verlauf der Kirchengeschichte gab es denke ich immer beide Arten, Musik in der Gemeinde einzusetzen. Weil das Thema mich schon wirklich lange beschäftigt, habe ich mir zum Ziel gesetzt, noch mehr darüber herauszufinden, was eigentlich die Rolle von Musik in der Kirche sein kann.
Deswegen interessiert mich brennend, wie in verschiedenen Konfessionen die folgenden Fragen theologisch beantwortet werden:
- Welche Aufgaben erfüllt die Musik während Gottesdiensten? Welche Art von Musik gehört in einen Gottesdienst?
- Welche Aufgaben erfüllt die Musik im Leben der Gläubigen?
- Welche Rolle spielen die künstlerischen und qualitativen Aspekte der Musik? Inwiefern ist es Aufgabe der Kirche, hochwertige und künstlerische Musik zu unterstützen? Ist das beschränkt auf bestimmte Arten von Musik?
- Wie sieht Lobpreis, Verehrung Gottes allgemein aus? In welcher Verbindung steht Musik dazu?

Kommentare(3)
Hi,
ich kenne ebenfalls dieses Spannungsfeld zwischen Qualität und dem anderen Dingen... ;-) (wort weg) In meiner Gemeinde drücke ich die Tasten und lege viel Wert auf die Qualität! Da fragt man sich dann trotzdem einfach, wann ist es zu viel.
Für mich persönlich ist die Musik an sich meine eigene Art, Gott anzubeten. Und für Gott gibt man sein Bestes. Das Beste geht eindeutig in die Richtung Qualität!
Bestes biblisches Beispiel ist David. Er hat auch sehr viel Wert auf Qualität gelegt, ohne dabei die Hauptsache aus den Augen zu Verlieren. Das sieht man zB daran, dass er sehr viele Leute im eingestellt hat, die NUR für Lobpreismusik zuständig waren. Das muss ne riesen Musikschule gewesen sein. Gleichzeitig hat er sich auch mit einfachen Mitteln "zufrieden gegeben": Beim Einzug der Bundeslade hat er in Unterhose getanzt und das mit ein paar Zithern oder so.
Also, Qualität ja, aber nicht das Wesentliche aus den Augen verlieren. Grad als Musiker, der nun einmal auf der Bühne steht und gesehen wird, muss man sich vor jedem Godi oder Gig sagen, für wen man das macht.
Was ich persönlich noch wichtig finde ist, dass Nachwuchs gefördert wird.
Leute, die auch ein Herz für Lobpreismusik haben qber noch nicht so weit sind, fühlen sich durch einen hohen Qualitätsstandard in der Gemeinde oft gehemmt,nachzufragen, ob sie nicht auch mitspielen können. Da muss es eine Art Auffangbecken geben, wo diese gefördert werden konnen.
Ich hoffe, ich konnte dir ein paar verwertbare Gedanken mitgeben. Mailaddy hast du ja. :-)
Segen.
Manu
Posted by Manuel Muth | 30.03.09 23:05
Posted on 30.03.09 23:05
Hi Manuel,
danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast, so ausführlich zu antworten! Ich stimme dir zu, dass es in den Gemeinden quasi Trainingszentren braucht, um Leute sowohl technisch/musikalisch als auch inhaltlich/geistlich zu fördern.
Posted by Christian
|
9.04.09 7:19
Posted on 9.04.09 07:19
Zu diesem Thema darf ich auf zwei eigene Texte hinweisen:
Zur Sache: http://caecilia-quintaessentia.blogspot.com/2009/11/stillosigkeit-als-gestaltungsprinzip.html
und, am Rande, auch hier: http://caecilia-quintaessentia.blogspot.com/2009/11/zeitgeist-gegen-kirchenmusik-ein.html
Für die katholische Kirche gibt es klare Regeln und Vorgaben, was die Musik in der Liturgie angeht. Außerliturgisch, im privaten Gebet und in Gebetskreisen ist natürlich anderes möglich.
Posted by Markus | 30.12.09 14:51
Posted on 30.12.09 14:51